Die Bewegung der Zapatisten (Mexico)

Obwohl sowohl die politischen als auch ökonomischen, geografischen und kulturellen Bedingungen zwischen den Chiapas in Mexiko (wo der Zapatismus beheimatet und entstanden ist) und Stuttgart kaum unterschiedlicher sein könnten – so sagt der Zapatismus (der KEINE Ideologie ist) von sich selbst, dass er, weil er keine Ideologie ist, er niemandem gehört und in jedem Teil der Welt selbst gestaltet werden kann und damit allen gehört.

In den Chiapas drückt sich der Zapatismus in einem Basisdemokratischen System aus, dass in einer Großzahl indigener Gemeinden erarbeitet und gelebt wird: Jede Gemeinde hat einen „Autonomen Rat“, an dem alle BürgerInnen teilhaben können und sollen. Hier werden im Konsens Entscheidungen über Rechtssprechung innerhalb der Gemeinde, Gesundheit, Bildung, Arbeit, Kultur, interne Infrastruktur und Handel, sowie Information getroffen. Die vorstehenden Räte, die Anträge bearbeiten und einer solchen Versammlung zur Wahl stellen, werden im Konsens von der ganzen Gemeinde gewählt und alle 10-15 Tage ausgetauscht. Jede Gemeinde entsendet zusätzlich 1-2 Vertreter an die 5 Bezirksregierungen, genannt „Räte der Guten Regierung“: Diese Vertreter dürfen allerdings auch keine Entscheidungen fällen, sondern müssen anstehende Entscheidungsvorschläge wieder in ihre Gemeinden zur Abstimmung zurücktragen. Auch diese Räte werden alle 2 Monate ausgetauscht.

Die Räte der Guten Regierung beschäftigen sich mit allen Angelegenheiten, die zwischen Gemeinden stattfinden und zwischen den zapatistischen Gebieten und der Mexikanischen Regierung und anderen Organisationen.
Idee dieses Ansatzes ist es, dass es keine politischen Eliten mehr gibt, dass das Regieren allen gleich obliegt, dass sich alle Mitglieder einer Gemeinde das Regieren aneignen sollen, und das Bestechungen von Außen durch das Rotationsprinzip schlecht bis unmöglich sind.
Alle Gelder innerhalb einer Gemeinde werden verteilt und einmal im Jahr gibt es einen Finanzausgleich zwischen allen Gemeinden.

Der Zapatismus, in dieser Form, ist natürlich auf die speziellen Umstände der indigenen Bevölkerung in den Chiapas zugeschnitten. Da diese Gemeinden praktisch Selbstversorger sind und wenig Handel mit Außen betrieben wird, ist er auch auf dieses System hin zugeschnitten. Dennoch können Ansätze, wie der der kleinen Räte, des Abstimmungsprinzips, der Befugnisse, des Rotationsprinzip und die Idee, dass alle BügerInnen das Regieren selbst erlennen sollen, sicher für die Ideenfindung für ein BürgerInnen-Parlament hier in Stuttgart genutzt werden.

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Mehr Infos zu den Zapatisten: http://enlacezapatista.ezln.org.mx  |  www.chiapas.eu

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